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Interpretation
» Thesen
1) Ehrlichkeit und Gerechtigkeitssinn sind die einzigen zuverlässigen Grundlagen von Wohlstand und Ansehen.
2) "Das Telefon ist die unsichtbare Verbindung zwischen Millionen Leben. Es ist der Diener unserer geheimsten Wünsche. Die
Vertraute unserer innersten Geheimnisse.."
» Titelbezug
Der Titel Sorry, Wrong Number deutet auf das Hauptelement des Films hin, das Telefon. Er hat gleichzeitig Bezug zu meiner
zweiten These, die bei Beginn des Films als Text erscheint.
Der Titel umrahmt die ganze Handlung in einem sogenannten Klammermuster. Der Film beginnt damit, das Leonas Telefonverbindung
geschnitten wird und sie ein fremdes Telefonat mit anhört. Sie wurde falsch verbunden und hat dahingehend die falsche Nummer gewählt.
Am Ende des Films, als Leona bereits ermordet wurde und ihr Telefon noch einmal klingelt, nimmt der Mörder den Hörer ab und sagt "Sorry, wrong
number". Der Titel umklamert und schließt den Film dementsprechend auch ab.
» Die Botschaft des Films
Der Film vermittelt mehrere Botschaften. Die erste Botschaft basiert auf meiner ersten These und bezieht sich auf Henrys Verhalten. Er hat das
tiefe Bedürfnis in seinem Leben etwas zu erschaffen. Er will durch sein eigenes Geschäft zu Wohlstand und Ansehen gelangen. Da er feststellt,
dass er dieses Bedürfnis in der Firma von Leonas Vater nicht befriedigen kann, denkt er sich einen Plan aus, mit dem er viel Geld in kurzer
Zeit verdienen kann. Leider basiert dieser Plan auf Lügen, Betrug und Diebstahl. Als Henry dann in Schwierigkeiten gerät und er selbst von einem
zwielichtigen Geschäftspartner erpresst wird, will er auch noch seine eigene Frau ermorden lassen, um das Versichungsgeld zu bekommen. Im Film wird klar vermittelt, dass dass nicht der richtige Weg sein kann. Dies wird gezeigt, da die Polizei Henry auf die Schliche kommt und ihm am Ende
verhaftet. Es gibt kein Happy End für ihn. Die Gerechtigkeit in Form von Fred Lord siegt.
Aber auch Leona wird nicht verschont. Sie manipulierte regelmäßig ihren Vater und ihren Ehemann mit ihren falschen Herzattacken, nur um ihren
Willen zu bekommen. Dies kostet sie am Ende nicht nur das Vertrauen ihres Mannes, sondern auch ihr Leben. Denn hätte sie Henry nicht permanent
daran gehindert seinen eigenen Weg zu gehen, wäre er womöglich nicht auf den Gedanken gekommen die Firma ihres Vaters zu hintergehen.
Der Film "Sorry, Wrong Number" ist ein typischer Vertreter des Film Noir aus den 40er Jahren. Er enthält viele klassische Stilelemente.
Um dies zu beweisen, werde ich im Folgenden die einzelnen Stilmittel und Motive näher analysieren. Im Abschnitt Film Noir habe ich die Mittel des Film Noir noch einmal zusammengefasst.
Motive im Film
» Erzählstruktur
Im Abschnitt Narrationsstruktur habe ich die Erzählstruktur visuell rekonstruiert. Was dabei
auffällt ist, dass es im Film mehrere Rückblenden gibt mit verschiedenen Erzählern.
Es gibt in diesem Film sogar Rückblenden in Rückblenden. Henrys Rückblende ist in Dr. Alexanders Rückblende enthalten.
Rückblenden sind ein starkes filmisches Mittel im Film Noir.
Eine subjektive Sichtweise der Geschehnisse ist ebenfalls ein Motiv des Film Noir. In diesem Film findet man dies vor allem bei Leona Stevenson. Durch das Schneiden der Leitung zu Beginn des Films und die darauf folgenden zahlreichen
Telefonate, konstruiert sie sich in ihrem Kopf ein eigenes Bild von dem was wirklich geschehen ist.
Ganz zum Schluss des Films findet man das Motiv der subjektiven Kamera wieder. Hier wird aus Sicht des Mörders gefilmt und gibt dem
Zuschauer
damit sozusagen ein interaktives Filmerlebnis.
» Figuren
Es gibt in "Sorry, Wrong Number" die typische Ermittlerfigur in Form von Fred Lord. Und
selbstverständlich gibt es auch ein Opfer, sogar mehrere. Das Hauptopfer ist Leona, die getötet
werden soll. Aber man kann auch Henry als
Opfer betrachten, der von Morano erpresst wird. Leona ist aber auch gleichzeitig die femme
fatale, die ihren Vater und ihren Ehemann
manipuliert um ihren Willen zu bekommen. Sally Hunt Lord kann man im Film als die nurturing
woman sehen. Sie ist sehr fürsorglich und kümmert sich um ihre Familie und Freunde.
» Themen
Im Film wird ein grundsätzliches existentielles Thema angesprochen. Nämlich Henrys Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit. Dies
will er mit allen Mitteln erreichen, koste es was es wolle. Er möchte sich nicht aushalten lassen. Er will sein eigenes Glück schmieden. Dieses
Verhalten lässt sich auch als psychologisch motiviertes Verhalten deklarieren. Es ist ihm ein tiefes, inneres Bedürfnis.
Verbrechen und Gewalt sind ein weiteres großes Thema des Films. Es geht um Mord (an Leona), Erpressung (von Henry), Diebstahl (von Medikamenten), Betrug (von Morano und der Firma Cotterell) und Sachbeschädigung (Verbrennen des Hauses von 20 Dunstan).
Das dritte große Thema des Films ist Desillusiernierung. Henry glaubt er habe keine Zukunft in Cotterells Firma. Dort wird er
niemals
ernstgenommen werden. Und er weiß sich nicht anders zu helfen als sein eigenes Geschäft aufzumachen, auf Kosten von Cotterell.
Mis-en-scene
» Setting/Location
Der Hauptdrehort des Films ist das Schlafzimmer von Leona Stevenson, mitten im Zentrum von New York.
Hier werden gleich zwei typische Motive des Film Noir aufgegriffen. Zum Einen die Stadt als zentrales
Motiv und zum Anderen die labyrinthartige Architektur von Leonas Haus (groß, mit einer Wendeltreppe). Andere Locations sind
die Wohnungen der anderen Hauptfiguren, Büroräume, sowie das herunter gekommene Haus bei 20 Dunstan und verschiedene
Stadtaufnahmen.
Dies sind alles typische Motive für einen Film Noir.
» Staging
Im Film werden oft Nahaufnahmen verwenden. Dies sieht man besonders bei Leonas Szenen. Die Aufmerksamkeit soll hierbei auf die
Person in Nahaufnahme gelenkt werden, vor allem um die Mimik zu betonen.
» Farbe/Licht
Der Film ist natürlich in schwarz/weiß gehalten, da er zum Einen aus den 40er Jahren stammt, wo Farbaufnahmen kaum verbreitet waren,
und zum Anderen ein klassischer Film Noir ist, der grundsätzlich in schwarz/weiß gehalten wird. Dies erzielt eine besonders düstere
Wirkung.
Durch low key lighting werden besondere Akzente gesetzt. Figuren werden in Halbschatten gefilmt, um geheimnisvoll und mysteriös
zu wirken, z.B. als Waldo Evans mit Leona telefoniert. Auch der Chiaroscuro-Effekt findet sich im Film wieder. Man bedient sich
des
Spiels von Licht und Schatten, um Körper und Formen deutlicher hervorzuheben, dramatische Effekte zu steigern und eine geheimnisvolle
Stimmung zu erzeugen. Häufig gibt es nur Nachtszenen.
» Editing
Die Schnitte sind lang gehalten. Es gibt nur bei actionreichen Szenen kurze, harte Schnitte. Im Film werden verschiedene Arten der Blende
genutzt, vorallem bei Übergängen in eine oder von einer Rückblende in die Realität. Das alte Bild wird also durch das neue langsam überlagert.
Das Abspielen in Gedanken soll damit verdeutlicht werden.
» Musik/Ton
Der Vorspann des Films beginnt mit einer dramatischen Melodie, dominiert von Streichinstrumenten und Trommeln. Ein "Besetzt"-Zeichen erklingt.
Dies gibt schon einen Vorgeschmack auf das Ende des Films.
Dieses dramatische Hauptthema wird immer dann wieder eingesetzt, wenn die bedrohliche Stimmung im Film besonders hervor gehoben
werden soll. Die Musik ist während des gesamten Films ausschließlich instrumental. Sie dient als Untermalung und um die Aufmerksamkeit des
Zuschauers zu fesseln. Die Melodie ist immer sehr ähnlich und bildet damit ein Muster. Es gibt auch Szenen mit harmonischer Musik, z.B. als
Leona und Henry sich beim Tanzen kennenlernen.
Bei den Rückblenden gibt es häufig einen Erzähler, der aber von Rückblende zu Rückblende verschieden ist.
» Requisiten
Die wichtigste Requisite in diesem Film ist das Telefon. Es hat starken Symbolcharakter. Die Hauptperson agiert die ganze Zeit nur über
das Telefon mit anderen Menschen. Es ist ihre soziale Verbindung zur Außenwelt.
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Stadt als Motiv
Büro als Motiv
Low Key Lightening
Wendeltreppe als Motiv
Telefon als zentrales Element
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